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LASK-Sturm


Ligaspiel, Unentschieden gegen einen mittelmäßigen Gegner irgendwo aus der Steiermark, danach nach Hause und in Gedanken an jüngste und zukünftige Europasternstunden masturbieren. Klingt in den besten aller Zeiten für LASKler erstmal unspektakulär. Tatsächlich erklärt dieses Spiel gegen Sturm an einem kalten Sonntag im Dezember vielleicht besser als alle anderen Begegnungen diese Saison, was unsere Mannschaft ausmacht, warum sie so geil und noch viel geiler ist.

Wieder ein denkbar ungünstiger Spielverlauf. 0:3 Rückstand nach 24 Minuten. Das Gefühl, heute vielleicht abgeschossen zu werden, Resignation. Aber nur auf Teilen der Tribüne! Der Stolz von Oberösterreich hingegen gibt sich keine Sekunde auf, glaubt auch im Angesicht einer epischen Niederlage mit dem Rücken zur Wand an ein Unentschieden, ja sogar einen Sieg. Am Ende steht es 3:3 und nur ein Lattentreffer verhindert ein Wunder. Dieses Team verkörpert alle Tugenden, die man sich als Fan nur wünschen kann, und es ist schwer möglich, ihm genug zu danken. Da gilt es auch, die eigenen Tugenden zu hinterfragen. Geben wir wirklich 100 Prozent für diese schwarz-weißen Götter? Am vergangenen Sonntag war das wieder nur für Teile des Blocks zutreffend. Auch wenn sich nach dem 0:3 eine „Jetzt erst recht“–Stimmung entwickelte und nach den Toren phasenweise weite Teile der Nord explodierten, gab es unverständlicherweise gegen Ende wieder Durchhänger.

Dieses Spiel war gleichzeitig das letzte des Jahrzehnts. Ein würdiger Schlusspunkt für völlig verrückte zehn Jahre mit allen Höhen und Tiefen, die man als Fan nur erleben kann. Abstieg, Zwangsabstieg, Platzstürme, jeden Tag vor dem Ende des eigenen Vereins zittern, schmerzhafte Verluste von alten Wegbegleitern, das Kennenlernen unzähliger neuer Gesichter, die zu Freunden wurden, epische Relegationsspiele, der Weg zurück in die oberste Spielklasse und dann sogar nach Europa. Eine absolut gestörte Reise vom Amateurfußball und den Dorfplätzen des Landes in das Europaleague-Sechszehntelfinale. Wer am Anfang dieses Jahrzehnts prophezeit hätte, wo wir jetzt stehen, wäre wohl sofort für unzurechnungsfähig erklärt worden. Wer weiß, was das nächste Jahrzehnt mit dem LASK bringt? Egal. Jetzt gilt es über die Winterpause, Energien zu sammeln, Geld zu sparen und sich von den Zwängen des bürgerlichen Lebens und dieser Gesellschaft zu befreien, um den schwarz-weißen Göttern in der Rückrunde bei jedem Spiel kompromisslos und stimmgewaltiger denn je zur Seite zu stehen. Alles andere wäre unwürdig.